Schlafen als Gegenmittel gegen die Beschleunigung unserer Lebens? Ja, auch gegen die dauernde Inanspruchnahme durch von außen aufgetürmte Informationen und Kommunikationsanreize. Und was noch wichtiger ist: Träumen und Tagträumen, damit wir zwischendurch auch mal einen eigenen Gedanken fassen können.
Constanze Kurz, die Sprecherin des Chaos Computer Club, lebt die Hackerethik: private Daten schützen, öffentliche zugänglich machen, Teilen von Technikwissen und Informationen, darauf wird es in Zukunft ankommen. Nicht nur weil sie zu viel Star Trek gesehen hat.
Walzerharmonie wäre zu viel gesagt, aber Filmen zuschauen und Gespräche führen taktet und bringt in Gleichklang. Die Neurowissenschaftler von der Princeton Universität erbrachten einen neuen Beleg für die Empathie- und Antizipationsfähigkeit des Menschen. Und dafür, dass Rezipieren und miteinander reden vorausschauende Angelegenheiten sind.
Uri Hasson ist u.a. ein Vertreter der Neurocinematics, der Neurowissenschaft des Films. Die "inter-subject correlation analysis" (ISC) zeigt die Hirnaktivitäten während des Betrachtens eines Films, die Muster der Probanden gleichen sich bei jedem Film.
Am 8. Juli 2010 wäre Ernst Bloch, der Denker des Noch-nicht und der konkreten Utopie, 125 Jahre alt geworden. Anlässlich des Jubiläums wird an den ein wenig in Vergessenheit geratenen Ketzer erinnert: ein Interview, zwei Bände ausgewählter Schriften, eine Bildmonografie, ein Zukunftssymposium und ein Wörterbuch.
In Deutschland kommt der französische Philosoph Alain Badiou, wie seiner Zeit der Dekonstruktivismus, verspätet zur Wirkung. Er geht frei mit Denktraditionen um, hält am Projekt des neuen Menschen fest und erkennt das Politische als etwas, das in der Politik nicht mehr vertreten ist. Für ihn ist Kommunikation ohne progressive Leidenschaft und Zug zur Handlung ein Instrument für die Zementierung von Missständen.
Wie geschieht und was leistet utopisches Denken? »Antizipierte Realität« – den Vortrag des Philosophen Ernst Bloch gibt es als Podcast auf DRadio Wissen. Sollte man sich nicht entgehen lassen.
Der Januar war kalt, aber voller erwärmender Themen und neuer Kontakte: Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Utopie totalitär ist oder warum sie in der so genannten „freien westlichen Welt“ gerne mit Faschismus gleichgesetzt wird. Gefährlich erscheint mir die Rolle der Neurobiologie als neue Leitwissenschaft, sofern sie sich darin gefällt, alles ohnehin Gültige nur zu bestätigen. Und ein weiteres Beispiel dafür, dass das Internet keine von weltfremden Freaks bewohnte Parallelwelt ist, lieferte das Gespräch über das Charity-Portal 2aid.org.
Französische Philosophen scheinen der Freiheit auch das vorausdenkende Gestalten opfern zu wollen. In der Philosophie-Reihe auf Arte.tv wurde der Rechtswissenschaftler Frédéric Rouvillois, spezialisiert auf Staatsrecht sowie Ideen- und Repräsentationsgeschichte, befragt. Seine eindimensionale Antwort: Utopie = Faschismus!
Im Dezember dämmerte die Hyperbaustelle etwas vor sich hin, obwohl es an Ideen nicht mangelte. Aber mit Gelassenheit erwartet man den Morgen, wie die Generation StefanSusanne bewiesen hat. Tagebucheinträge aus dem 22. Jahrhundert spielten mit möglichen Entwicklungen des Netzes. Dass man die Wege in die Zukunft nicht kennen, sondern finden muss, ist eine »kluge« Variante der konkreten Utopie.
Zukunft ist Dämmerung nach vorn (Ernst Bloch); Foto: urb
Wer kennt es nicht: Man arrangiert sich mit einer Situation, unter der man eigentlich leidet, und vernachlässigt es, Auswege zu suchen. Irgendwann holt einen das Ganze ein und wird zur echten Katastrophe. Die Dialektik von Ausweg und Ausbruch wurde in einem Gespräch zwischen »Freitag«-Redakteuren und Alexander Kluge untersucht. Kluge, die Verkörperung des deutschen kritischen Films und der Qualitätsgarant im deutschen Privatfernsehen, spricht sich für das in unserem Erbe enthaltene Klügere aus, für die Zukunft, die wir als Potenzial in uns tragen.
Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. (Walter Benjamin; Bild: Klee, Angelus Novus)
Der November stand eher im Zeichen der Kritik, in der sich Utopie quasi ex negativo zeigt. Das Positive daran? Dass es diese Formen der Kritik – wie die Raul Zeliks – überhaupt gibt, ob sie nun artistisch oder faktengestählt ausfallen. Und wenn Kritik auch in Handlungen mündet, wie derzeit bei den Bildungsstreiks an unseren Hochschulen, gibt das genügend Anlass zur Hoffnung.
Utopie ist notwendig, weil einer Milliarde Menschen selbst Nahrung und Trinkwasser fehlen.
Raul Zelik, Autor des Gesprächsbuchs »Die Vermessung der Utopie. Über Mythen des Kapitalismus und die kommende Gesellschaft«, spricht auf der Hyperbaustelle über die Notwendigkeit von Utopie, die sich als Kritik an den existierenden Verhältnissen entwickelt. Dabei handelt es sich um einen ergebnisoffenen Prozess, der für die Menschen da ist und von ihnen gestaltet werden muss – nicht umgekehrt.